Die alte Fabrik – P.D. Rasspe Söhne

Rasspe-190Im August 2016 hatten wir Gelegenheit, mehrere Tage ungestört auf dem Gelände der ehemaligen Firma P.D. Rasspe Söhne zu fotografieren. Möglich machte es der jetzige Eigentümer, die Wirtschaftsförderung Solingen GmbH & Co.KG, welche uns freundlicherweise mit schriftlicher Genehmigung und Schlüssel ausstattete. Im Gegenzug erhält der Eigentümer umfangreichen Zugang zum entstandenen Bildmaterial. Wir möchten uns an dieser Stelle für die vorbildliche Unterstützung und das entgegengebrachte Vertauen ganz herzlich bedanken.

Die Geschichte der Firma Rasspe

Die Gründung

Bereits 1827, im Alter von 22 Jahren, gründete Peter Daniel Rasspe ein Unternehmen zur Herstellung von Stiefeleisen. Mit Stiefeleisen wurden die Schuhe der Landarbeiter oder auch normale Straßenschuhe verstärkt. Offenbar war das damals eine gute Geschäftsidee, denn der ehemalige Standort bei Cornenberg (heute Wuppertal) wurde schnell zu klein.

Rasspe-146Der Umzug

Es ergab sich jedoch in der Verwandtschaft P.D. Rasspes eine günstige Gelegenheit, um ein Grundstück am Stöcken in Solingen zu erhalten und dort den Firmensitz hin zu verlegen.Nach dem Umzug vergrößerte sich die Produktpalette immer weiter. Man stellte diverrse Messer und Sägen her. In den Folgejahren spezielisierte man sich immer mehr auf Ersatzteile für Land- und Erntemaschienen. Im Jahre 1914 produzierte P.D. Rasspe Söhne rund 30.000 verschiedene Artikel.

Das Markenzeichen

LogoDie Pfeife in rotem Kreis wurde 1868 in das Musterregister des Gewerbegerichts eingetragen. Sie ziert heute noch den Flur des Hauptgebäudes, welches Anfang 2016 durch Brandstiftung stark in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Der Niedergang

Mit dem Rückgang der Landwirtschaft und der Einführung neuer Technologien geriet Rasspe in wirtschaftliche Schieflage, sodass 1999 Insolvenz angemeldet werden musste. Die Group Schumacher übernahm und wandelte das Unternehmen in die Rasspe Systemtechnik GmbH um. Die Produktion wurde nach Wermelskirchen verlegt und das Gelände Stöcken wurde aufgegeben. (Quelle: Wikipedia)Rasspe-7

Die Situation heute

Immer aktuell kann man sich unter der Internetadresse Stoecken17.de über den Stand und den Fortgang der Entwicklung des Geländes informieren. Aktuell untersuchen Gutachter das Gelände, um ein Sanierungskonzept zu entwickeln. So wird über kurz oder lang der Bewuchs zurück geschnitten. Im Nachgang werden dann wohl die meisten Gebäude abgerissen. Nur das denkmalgeschützte Hauptgebäude soll erhalten bleiben.

Rasspe-3Drei Tage Fototour

Mit Stativ und Taschenlampe zogen wir drei Tage über das verlassene Gelände. Schmetterlingsflieder findet auf dem Gelände offenbar ideale Lebensbedingungen. Der intensive Duft der Blüten wehte uns vor allem während der sonnigen Stunden um die Nasen. Auf dem Gelände selbst ist es sehr ruhig. Den Verkehr vor dem Hauptgebäude hört man gar nicht. Leider haben auch hier Vandalen wieder einiges zerstört. In den Hallen sind teilweise sehr tiefe Löcher im Boden, die einen Besuch bei Dunkelheit zu einem lebensgefährlichen Unternehmen werden lassen. Wir waren durch den Eigentümer natürlich vorgewarnt. In einer Halle wurden wir am ersten Abend von einer müden Eule beobachtet.
Rasspe-64Jedenfalls haben wir die Zeit dort sehr genossen – vor allem, weil wir mehrere Tage Zeit hatten und das Wetter an den meisten Tagen mitspielte. Allerdings sind auch zwei der sehenswerten Bilder bei Regen entstanden.
Fotografiert haben wir mit einer Sony Alpha A58 sowie dem Samsung Galaxy S6 Edge und dem Sony Z5. Mit Stativ konnten einige schöne Belichtungsserien entstehen, die dann mit HDR Projects darkroom zu einzelnen Bildern zusammengefasst wurden.

Die Fotos

Aufgenommen mit Sony A58, entwickelt mit Adobe Lightroom 5
HDR Galerie
Detailfotos mit Z5

6 Kommentare

  1. Wilhelm Sassmannshausen

    Super Aufnahmen, die für die Dokumentation der Industriegeschichte in unserem Land sehr wichtig sind.
    Wir benutzen immer noch Rasspe Mähbalken in unserer kleinen 5 Ha Landwirtschaft die wohl in diesem Werk hergestellt wurden . Diese Mähbalken sind jetzt seit 65 Jahren im Einsatz.

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    1. Stefan (Beitrags-Autor)

      Vielen Dank für das Lob. Es war auch wirklich eine schöne Erfahrung, mit dem Vertauen der Eigentnümer dort mehrere Tage fotografieren zu können. Der über das ganze Gelände duftende Schmetterlingsflieder verlieh dem Ganzen dann noch das besondere Etwas.

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  2. Elias S

    Der Artikel ist zwar schon älter, aber könnte mir jemand Auskunft über die derzeitige Lage des Geländes geben? Manche Gebäude sollen wohl dieses Jahr renoviert werden. Wollte demnächst mal hinfahren und ein paar Fotos machen…
    Danke im Voraus!
    LG Elias

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    1. Stefan (Beitrags-Autor)

      Ich bin kürzlich noch vorbei gefahren – es ist das Grünzeugs zurückgeschnitten und auch die Aussenfassade des Verwaltungsgebäudes an der Straße wurde verändert – die Fenster sind dick verrammelt. Ich würde unter

    2. https://www.stoecken17.de/
    3. mal Kontakt aufnehmen. Sonst kommt man auch nicht rein.

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  1. Elias S

    Danke für die schnelle Antwort! Man kommt aber doch bestimmt über die Rückseite rein? So könnte ich mir ja zumindest die hinteren Gebäude auf dem großen Gelände anschauen….
    LG Elias

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    1. Stefan (Beitrags-Autor)

      Das weiß ich leider nicht – wir hatten einen Schlüssel vom Eigentümer. Die sind sehr kooperativ – Fragen lohnt. Ungebeten erscheinen würde ich nicht.

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